Wenn es noch einen Beweis brauchte, das Potential der Q28 zu offenbaren, dann war Genf-Rolle-Genf das Rennen, das eigentlich auch den letzten Zweifler bezüglich DSS und Quant28 Verstummen lassen sollte.
Startzeitpunkt war 13.00 h. Es war angenehmes Wetter. Der Wind fast gleich Null. Für einmal hatten wir einen Bombenstart, mitten in der Ansammlung all der (vergleichsweise) riesigen Boote. Selbst von den grössten und schnellsten Yachten konnten wir uns schon bald soweit absetzen, dass wir ungestörten Wind hatten. Solange der Wind schwach bleibt, jedoch bis aufs Wasser herunterreicht sind wir u.a. dank der neuen Top-Genua von North fast so schnell wie die grössten Boote hier in Genf was heisst: 35 bis 47 Fuss! Sobald wir den A1 Gennaker (ebenfalls von North) zücken können, sind wir fast alle unsere Sorgen los.
Das Rennen nahm seinen Lauf, vom angesagten Wind keine Spur – weder in Richtung noch Stärke. Segelt man an der Spitze, segelt man bei diesen Bedingungen dem Wind nach und das führte uns auf der französischen Seite des Sees in sehr illustrer Gesellschaft für die nächsten 2 Stunden den Petit Lac hinauf.
Ich ahnte von Anfang an, dass dies Konsequenzen haben würde. Es war für meinen Geschmack die falsche Seeseite. Irgendwo in der Mitte des Petit Lac verabschiedeten sich die Psaros40 von Jean Psarofaghis geskippert und eine der beiden neuen Psaros33 mit Schwenkkiel, Richtung Schweizer Ufer. Ich hatte den Reflex, dasselbe zu tun. Die Crew stoppte mich jedoch und ich war auch nicht so richtig bereit in dieser frühen Phase des Rennens so einen Seitenwechsel vorzunehmen. Ein paar Minuten später parkten die beiden Boote in der Mitte des Sees – es sah ziemlich nachhaltig aus. Das stimmte uns froh aber wir sahen mehr und mehr, dass auch uns der Wind ausging und die Wahrscheinlichkeit stieg, dass die beiden mutigen Skipper wohl eher recht kriegen würden, als wir.
Etwa 20 Minuten später veränderte sich die Situation wie befürchtet. Die beiden Psaros-Boote näherten sich dem Schweizer Ufer an und profitierten dort von einer auflandigen sanften aber recht stetigen Thermik oder ev. einer Gegenströmung des in der Höhe bereits einsetzenden „Jorans“ (Wind vom Jura-Rücken her). Wir am anderen Seeufer hingegen humpelten von einem Loch zu nächsten. Ständige Richtungs- und Segelwechsel zerrten an unseren Nerven, umso mehr als nicht nur die beiden Psaros sondern sogar die „Touristen“ begannen, uns auf der bevorzugten Schweizer Seite dutzendweise zu überlaufen. Euphorisch war unsere Stimmung nicht gerade – wie man sich vorstellen kann – aber das Rennen schien ja noch eine Ewigkeit zu dauern und Chancen würden sich auch noch für uns ergeben.
Schliesslich sahen wir anhand schnell segelnder Kats – bereits auf dem Rückweg nach Genf – dass der Joran einsetzte und zwar nicht zu knapp. Die Multis segelten schätzungsweise bereits mit weit über 10kts Speed.
In der Gruppe der schlechter positionierten Boote waren wir diejenigen, die am nächsten zum nahenden Windfeld lagen. Weil wir jetzt anhand der vorausfahrenden Boote wieder mehr verlässliche Informationen hatten, schafften wir es ziemlich effizient und bis zum letzten Moment unsere grossen Leichtwindsegel zu nutzen. Die Crew war sehr motiviert und lieferte einen Super-Job ab, ich konnte mich auf meine Aufgabe konzentrieren.
Als wir dann schliesslich in der Windzone anlangten und den Bug nach rechts, Richtung Rolle richten konnten mussten wir aber auch feststellen, dass wir inmitten des Feldes der „normaleren“ Boote lagen und mit ihnen der Wendemarke entgegenstrebten. Unser Rückstand auf die Spitze war beträchtlich aber zur Marke war es noch ein weiter als gedacht und weiter oben war die Windsituation noch nicht so gut entwickelt. Also kein Grund zum Verzweifeln.
Was jetzt kam, werde ich nicht so schnell vergessen. Dank dem Joran, der noch einen Zacken zulegte, sahen wir die Chance, dass wir uns schon bald mit den wirklich grossen und schnellen und etablierten Lakeracern des Genfersees würden anlegen können. Blut gerochen, Zähne gefletscht und hinterher so schnell es geht.
Der Wind frischte weiter auf und dank den zwar böigen aber kräftigen 12 bis 15kts konnten wir die Quant28 endlich so richtig von der Leine lassen. Ein paar Böen waren offenbar noch ein bisschen kräftiger die Okalys (Decision35) verlor jedenfalls ihr Rigg. Wir nutzten den Wind optimal und die Q28 pfiff vor sich hin und galoppierte los wie ein Araberhengst. Wir segelten für ein Halbe Stunde permanent zwischen 11 und 17kts (nie unter 9kts) direkt Richtung Wendemarke.
Zuerst entledigten wir uns der Boote, die mit uns segelten. Allen voran „Body & Soul“, die uns letztes Jahr schlagen konnte. Wir sahen, dass wir aber auch auf die grösseren, noch weit schnelleren Boote rasch gutmachten. Dann hatten wir unseren ersten echten „magic moment“: Die eine brandneue Psaros33 mit Schwenkkiel und allem was es braucht, passierten wir ein paar Bootslängen in Lee. Einfach so. Ich wüsste gerne, was sich der Eigner dieser tollen (und teuren) neuen Yacht gedacht hat in diesem Moment?
Danach kam unser Erzrivale, die bekannte und erfolgreiche Vollcarbon 38-Fuss-Luthi mit dem schönen Namen „MissTfy“ an die Reihe...und so weiter. In Rolle rundeten wir mit dem gut gesegelten 18Footer vor und und der neuen spektakulären Foileryacht „PI“ hinter uns. Mit uns rundeten im Weiteren die 47‘ Fuss „Taillevent II“ eine Art Americas Cupper der IAAC Klasse im Format 14.20m Länge. Dann waren da noch die neuere FullPelt der Eckert-Brothers von Zürich, mit Canter und Trapezen – die Creme de la Creme des Genfersees also und eben wir mit der vergleichsweise winzigen Q28.
That was really funny und irgendwie irreal – oder sagen wir besser: Gewöhnungsbedürftig.
Die perfekt gesegelte Psaros40 von Psarofaghis gesteuert war aber schon verschwunden. Sie gewann das Rennen in ihrer Klasse sehr verdient und sie war auch der schnellste Einrümpfer.
Nach der Marke passierten wir noch das eine oder andere der vor uns liegenden schnellen Boote bevor der Wind wieder an Kraft verlor und sich bei ca. 8kts. einpendelte. Wieder im Alltag angekommen – wo Boots- und Mastlänge zählt, holten sich drei der grösseren Boote ihre Positionen zurück. Wir konnten dagegen nicht viel tun – es war auch kein Spikurs. Aber das war ok. – Physik eben.
Wir verteidigten uns anständig und ca. zwei Stunden später kreuzten wir die Ziellinie, ganze neun Sekunden hinter der grössten Libera, die ich in meinem Leben bisher gesehen habe, aber immer noch 2 Minuten vor MissTfy, die normalerweise die Klasse TCF1 gewinnt.
So war es für uns ein perfektes Rennen in dem es alles gab, vor allem aber ein gutes Resultat: Line honours und schnellste Yacht in der Klasse. Gerechnet brummten wir MissTfy sogar über 18 Minuten auf. Die Saison meint es bisher sehr gut mit uns: Nach den 3 Heimsiegen (bei 3 Starts) nun ein Sieg vor Genfer Publikum beim Vorbereitungsrennen für den Bol d’Or. Es ist eine grosse Bestätigung mehr für alle, die mitgeholfen haben diese eigentlich verrückte Projekt zu verwirklichen und vor allem tut es gut, wenn man daran denkt, was wir rund um DSS und Quant-Boats währen den letzten beiden Jahren alles diskutieren und rechtfertigen mussten.
Nun konzentrieren wir uns auf den Bol d’Or. Das Wetter scheint sich zu stabilisieren. Es soll warm und schön werden, was meist zu einem langen Rennen führt. Das wird auf unserem Boot vielleicht ein bisschen tough – wir werden sehen...
Anmerkung von North Sails:

Realstone Sailing, Decision 35
© NS Schweiz
Glückwunsch an unsere Kunden, die beigetragen haben, die Farben von North Sails anlässlich der Regatta Genfs-Rolle-Genf 2012 stark zu vertreten. Ihre Resultate sind auch für North Sails eine Motivation!
Hier die Ergebnisse :
M1- Die ersten drei Teams mit 100% North Sails 3DL und eine Fock 3 3Di
1) Realstone Sailing - Jérôme Clerc
2) Ladycat - Dona Bertarelli
3) de Rham Sotheby's - Philippe Cardis
M2- Die zwei ersten Teams mit 100% North Sails in 3DL 800 Aramid
1) Team Tilt - Alex Schneiter
2) Spam - Charles Favre - David Amsler
Toucan- Das Siegerteam mit 100% North Sails. Grosssegel und Fock mit 3DL 600 Aramid.
1) Enaile - René Grept
Grand Surprise- Die zwei ersten Teams mit 100% North Sails. Grosssegel und Genoa in Pentex. Asy Spinnaker in Superkote 60.
1) Tixway - Philippe Raphoz
2) Morpho - Jean-Marie Mechelany
TCF1- Die ersten zwei Teams mit einigen 3DL Segel von North Sails.
1) Allianz Suisse - Michael Aeppli und Max Schmid
2) Miss Tfy - Dominique Valiton

Team Tilt, M1
© NS Schweiz
TCF2- Grosser Erfolg für die M34 Ville de Genève in der Vorbereitung auf die kommende Tour de France. Mit 100% North Sails 3DL 600 Performance.
1) CER - Ville de Genève
2) Maki - Guy Deriaz
3) Tahuata - Alain Hofer
4) Artemis - Pierre Chollet
TCF3- Hier konnte der Sieger seinen neuen North Sails Code 0 optimal einsetzen.
1) D.I. HOME - Pascal Bachy
TCF4- Die ersten beiden Teams mit 100% North Sails. Die Surprise Teenwork mit einem Squarehead Grosssegel in Pentex Optic. Das Team Nora mit einer Genua 3DL Taffeta 300 Performance von North Sails.
1) Teenwork - Coline Assal
2) Nora - Alain Ackermann
TCFX- Der Sieger der Einrümpfer nach gesegelter Zeit war mit 3DL 680 Performance von North Sails unterwegs.
1) Syz and Co - Jean Psarofaghis
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