Esse 850


Einleitung

Ziel dieses Trimm-Handbuches ist es, Ihnen eine Grundlage zur Schiffsvorbereitung und zum schnellen und effektiven Trimm Ihrer neuen Segel bereitzustellen. Der Riggtrimm ist gegebenenfalls etwas anzupassen, abhängig von Ihren Steuerfähigkeiten oder wie Sie Ihr Schiff segeln und den Schiffsspezifikationen sowie dem Deckslayout. Zögern Sie nicht, sämtliche Fragen zu notieren, die während des Lesens entstehen. Wir würden uns freuen, diese mit Ihnen weiter zu diskutieren, wenn Sie sie uns zukommen lassen. Unser Ziel ist es, angemessene Trimmempfehlungen für die von uns hergestellten Segel zu definieren, damit bei allen Windverhältnissen hohe Geschwindigkeiten erreicht werden können, sei es auf Am- Wind-, Raumschots- oder Vorwind-Kursen. Vielseitigkeit ist demnach das Schlüsselkonzept, sowohl in diesem Trimm-Handbuch als auch bei dem Design Ihrer North-Segel.

Schiffsvorbereitung

Die glatte Oberfläche des Unterwasserschiffes ist ein wesentlicher Faktor; man sollte sich niemals ohne perfekt gesäubertes Unterwasserschiff an die Startlinie begeben. Bereits innerhalb von ein paar Tagen kann sich ein Fettfilm am Unterwasserschiff absetzen, der die Leistung verschlechtert. Da Sie nicht alleine in dieser Situation sind, werden Sie zwar kaum das Gefühl haben, langsamer als der Rest des Feldes zu sein, aber Ihre Beschleunigungsfähigkeit wird enorm beeinträchtigt sein. Konkurrenten haben schon manches Mal trotz mangelnden Trainings gewonnen, aber niemals mit einem verdreckten Unterwasserschiff.

Mast Trimm

Stellen Sie sicher, dass die Salinge vertikal und horizontal im selben Winkel angebracht und gleich lang sind. Der Winkel selbst ist vom Hersteller vorgegeben; es ist aber dennoch notwendig, zu überprüfen, ob sie auch wirklich symmetrisch sind. Manchmal kann eine kleine Abweichung das exakte Austrimmen des Schiffes erheblich erschweren.

Voreinstellungen

Die Trimmwerte, die wir empfehlen, sind für die am häufigsten vorherrschenden Gegebenheiten. Sie sollten es Ihnen ermöglichen, in verschiedenen Bedingungen schnell zu segeln, ohne die Mastneigung oder –spannung anpassen zu müssen. Nichts desto trotz sind die Segel entsprechend zu trimmen. Bevor Sie loslegen, ist es ratsam, die oberen Diagonalen (D2) zu lösen. Das sind die Wanten, die jeweils die Spitze der ersten Saling mit dem dem Mast zugewandten Ende der zweiten Saling verbinden. Die Anpassung der Oberwantenspannung erhöht die Last auf den Diagonalen, was wiederum den Mast überlasten könnte. Die Mastneigung spielt eine wichtige Rolle bei der Positionierung des Schothorns vom Vorsegel im Verhältnis zum Schotverlauf an Deck. Die Mastneigung muss als Erstes eingestellt werden. Man startet mit dem Durchsetzen des Großfalls, an dem ein Maßband sorgfältig befestigt ist. Das Fall wird bis zum Masttopp durchgesetzt, um die Entfernung bis zur Schnittlinie von Rumpf und Heckspiegel zu messen. Diese Entfernung sollte 13,05m betragen, die 5cm davon braucht man für den Knoten oder Spleiß und den Schäkel am Kopfbrett des Segels. Die Vorstagsspannung sollte an allen unseren Genuas ein festgelegtes Maß betragen. Die Spannung wird mit einem Spannungsmessgerät von Loos & Co., Modell PT2, gemessen. Alle Messungen wurden ungefähr 1,50m oberhalb der Vorstagsbefestigung vorgenommen.

Die Vorstagsspannung sollte den Wert 15 erreichen. Wenn Sie in einer leichten Brise mehr Druck im Vorsegel wünschen, können Sie das Vorstag ein wenig lösen, bis zu einem Wert von 13. Bei Windstärken von mehr als 10 Knoten ist es jedoch nicht ratsam, mit einer solchen Einstellung zu segeln. Diese weichere Einstellung erfordert ein schnelles. Ansetzen des Backstags, um die Spannung auf dem Vorstag zu erhöhen.
Die Oberwanten sind gemäß der Rumpfsteifigkeit nachzuziehen, um die erwünschte Vorstagsspannung zu erreichen. Je steifer das Schiff, desto weniger Spannung ist erforderlich. Überprüfen Sie auch, dass sich Ihr Mast nicht leicht zu einer Seite neigt, indem Sie das in Richtung der Wanten—Püttings ziehen.

Die unteren Diagonalen (D1)
werden sowohl zur Kontrolle der Mastbiegung nach vorne und hinten als auch zur Regulierung der Vorstagsspannung verwendet. Je mehr Sie diese anziehen, desto gerader wird Ihr Mast und damit das Vorstag strammer. Die Wölbungstiefe sollte nur 3cm betragen, damit der Mast die richtige Biegung nach vorne und hinten erhält. Indem Sie sich selbst an der Mastnut für das Großsegel positionieren und nach oben schauen, können Sie sicherstellen, dass der Mast keine SForm aufweist. Aufgrund der Volumenkontraktion von Aluminium ist es wichtig, den Mast regelmäßig zu überprüfen. da der Trimm nach dem Segeln bei starkem Wind häufig nicht mehr korrekt eingestellt ist.

Die Diagonalen
wirken der Seitenbiegung des Mastes durch die Salinge entgegen. Aus diesem Grund sind diese zur Vorbeugung eines seitlichen Abfallens leicht anzuziehen. Gehen Sie dabei vorsichtig vor; denn eine zu hohe Spannung schwächt den oberen Teil des Mastes. Beim Segeln mit Gennaker, insbesondere bei viel Wind, kann eine zu hohe Spannung auf einer der Diagonalen bewirken, dass der Mast unterhalb der zweiten Saling bricht. Ein angemessener Trimm ist daher absolut notwendig, auch wenn das Heraufklettern in den Mast mühsam ist.

TrimmrichtLinien

Grundsätzliche Bermerkungen zum Segeltrimm und zur Segelführung. Wir empfehlen, das Großsegel bis zum Masttopp durchzusetzen, bevor das Fall so fest angesetzt wird wie möglich. Auf diese Weise wird sich das Fall beim Antrimmen weniger recken und das Segel bleibt oben.

Großsegel-Trimm
Schoten
– Konstanter Großsegel-Trimm ist sehr wichtig. Kleine Anpassungen können einen großen Unterschied beim Segeldruck, der Fähigkeit des Schiffes, Höhe zu laufen, als auch bei der Aussteuerung des Schiffes machen. Das Dichtholen der Schot erhöht die Spannung auf dem Achterliek, so dass der Segeldruck erhöht wird und das Schiff mehr Höhe laufen kann. Auf der anderen Seite ist das Segel damit anfälliger dafür, dass die Strömung abreißt. Am verlässlichsten lässt sich das Großsegel mit Hilfe der Windfäden auf Höhe der oberen Segellatte trimmen. Ein guter durchschnittlicher Segeltrimm ist erreicht, wenn das Segel kurz vorm Strömungsabriss steht. Beim Segeln in einen Abschnitt mit stärkerem Wind, kann das Großsegel dichter geholt werden, so dass die Strömung bis nach oben abreißt, um noch mehr Höhe zu laufen. Sobald aber der Wind weniger wird, ist es erforderlich, zu fieren, damit das Achterliek nicht zu stramm ist – was einen erheblichen Geschwindigkeitsverlust zur Folge hätte. Sie sollten natürlich versuchen, ein Gespür für den bestmöglichen Trimm zu entwickeln, aber achten Sie dabei auf Ihre Schiffsgeschwindigkeit. Ziel ist es, im Voraus zu erkennen, wenn sie davor sind, langsamer zu werden, und zu wissen, wie sie das verhindern können, indem sie Ihr Schiff die Geschwindigkeit wieder aufbauen lassen! Bei kabbeliger See ermöglicht das Öffnen des Achterlieks (durch Twist) dem Segel, sich einem größeren scheinbaren Windwinkel anzupassen: Der Fokus liegt nun mehr auf der Geschwindigkeit als auf darauf, möglichst viel Höhe zu laufen. Wenn der Segeldruck zu groß ist, ist das Achterliek erneut zu twisten, um den Druck zu verringern, bis eine bessere Aussteuerung erreicht wird. Bei Großsegeln mit einem großen Kopf tendiert man dazu, nicht genug Spannung auf das Achterliek zu bringen. Um nicht mit zu viel Twist zu segeln, raten wir Ihnen, ab und an die tatsächliche Achterliekspannung zu überprüfen. Markieren Sie Ihre Schot, wenn Sie mit dem Trimm zufrieden sind – normalerweise mit einem etwas härteren Trimm, als Sie ursprünglich für angemessen hielten.

Der Großsegel-Traveller wird im Verhältnis zur Position des Großbaums getrimmt. Ziel ist es, den Baum auf der Mittschiffslinie zu haben, was bedeutet, dass der Traveller immer leicht in Luv positioniert ist. Das kompensiert das Abfallen des Baums aufgrund des Abstands zwischen. In stärkeren Winden wird empfohlen, den Traveller zurück in die Mitte zu fieren, um einen Teil des Windstroms in Richtung Achterliek freizugeben, was die Luvgierigkeit auf Ihrer Esse verringert. Der Traveller sollte jedoch nie mehr als 10cm nach Lee gefiert werden, denn das würde die Fähigkeit, Höhe zu laufen, beinträchten. Das Achterliek wird mit Hilfe des Baumniederholers auf Spannung gehalten. Wenn Sie in einer Situation viel Höhe gewinnen müssen – z.B. um freien Wind zu bekommen – nach dem Start oder beim Runden der Marke, ist die Esse 850 sehr genügsam, wenn der Baum oberhalb der Mittschiffslinie gezogen wird. Das wird Sie langsamer machen, lässt Sie aber mehr Höhe denn je laufen!

Die Einstellung des Cunninghams ist von großem Nutzen, wenn der Segeldruck zu groß ist. Es wird dazu verwendet, ein allgemein flacheres Segelprofil zu erhalten; noch entscheidender ist aber, dass es den oberen Teil des Segels drastisch twistet. Dann fungiert der Cunningham als eine Art Entriegelung beim Twisten des Achterlieks.

Der Baumniederholer wird primär zur Regulierung der Achterlieksspannung beim Fieren der Großschot eingesetzt. Durch einen Niederholer, der zu lose ist, wird der Segeldruck durch zu starken Twist verringert. Umgekehrt verhindert zu viel Spannung auf dem Baumniederholer die Beschleunigung des Schiffes, wenn der Wind zunimmt. Er ist auch sehr nützlich, um den Bauch im unteren Teil des Segels zu reduzieren. Vergessen Sie nicht, den Baumniederholer beim Gennaker-Segeln zu lösen, um eine gleichmäßige Kurve im Achterliek des Großsegels zu bekommen.

Der Unterliekstrecker ermöglicht die Feineinstellung des Segelprofils im unteren Bereich. Um das Segel voller als gewöhnlich zu haben, kann man den Unterliekstrecker energisch lösen. Wann immer der Wind es erforderlich macht, die gesamte Crew auf der Luvkante zu haben, muss der Unterliekstrecker wieder stufenweise angesetzt werden; ansonsten kann es sein, dass sich das Schiff in den Böen auf die Seite legt. Falls Sie feststellen, dass Sie nicht gut genug beschleunigen können, liegt es möglicherweise daran, dass das Unterliek zu straff ist.

Das Backstag wird sehr viel beim Segeltrimm eingesetzt. Aufgrund des 9/10 Riggs und des sehr steifen Mastes, hat das Backstag auf der Esse 850 direkt Einfluss auf die Vorstagsspannung. Aus diesem Grund muss der Steuermann oder ein Crewmitglied permanent das Backstag den Windgeschwindigkeiten anpassen. Es hat auch eine Wirkung auf das Achterliek des Großsegels; die Großschot muss dicht geholt werden, um den Twist, der vom Backstag erzeugt wird, auszugleichen. Das sorgt für einen schmaleren Windeintrittsbereich und ermöglicht dem Schiff, in einer Bö mehr Höhe zu laufen. Diese Justierung beeinträchtigt sowohl die Genua als auch das Großsegel; es ist damit der Schlüssel, mit dem man bei mittleren Bedingungen bis zu einem halben Knoten gewinnen oder verlieren kann.

Fock- und Genua-Trimm
Das Vorfall
regelt die Spannung am Vorliek des Segels. Es ist nicht ratsam, das Fall zu sehr durchzusetzen. Horizontale Falten sind nicht so schlimm, da sie sogar helfen, das Profil des Segels zu sehen. Wenn Sie aber Ihre Trimmeinstellung noch optimieren möchten, zögern Sie nicht, die Vorfallspannung in den Böen zu erhöhen, um die Anströmkante zu verringern und die Liekspannung zu erhöhen, beides sind Schlüsselfaktoren, um mehr Höhe laufen zu können.

Der Fock-Holepunkt wird verwendet, um die Achterliekspannung des Vorsegels einzustellen. Je weiter vorne der Fock-Holepunkt steht, desto höher ist die Spannung auf dem Achterliek und desto bauchiger ist der untere Teil des Vorsegels. Umgekehrt löst ein Fock- Holepunkt weiter hinten die Achterlieksspannung und macht ein flacheres Profil im unteren Segelbereich. Mittlere Windbedingungen erfordern den härtesten Trimm. Sobald der Wind ein wenig abnimmt, ist die Schot zu fieren, um wieder ein bauchigeres Profil zu erhalten, da sich das Material aufgrund seiner Elastizität zusammenzieht. Sobald der Wind an Stärke zunimmt, ist es dagegen erforderlich, Druck aus dem Segel zu nehmen, indem der Fock-Holepunkt weiter nach Achtern versetzt wird, was wiederum das Achterliek twistet

Fazit

An der Kreuz ist das Ziel, bei allen Windbedingungen die die größtmögliche Effizienz aus den Segeln und dem Mast zu holen. Sollten Sie gegen andere Schiffe segeln, werden Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie gut Ihre Bootsgeschwindigkeit ist … Ansonsten wird die Leistung Ihres Schiffes mehr ein ‘Gefühl’ sein. Die Energie, die durch die Segel produziert wird, sollte nicht durch eine unangemessene Aussteuerung des Schiffes verschwendet werden, was z.B. bedeutet, eine konstant neutrale Ruderlage mit leichter Luvgierigkeit zu halten. Mit zu viel Segeldruck im Schiff wird das Ruder schnell einen großen Winkel erreichen und es wird erforderlich sein, das Großsegel flacher zu trimmen. Ist das Schiff leegierig und der Segeldruck zu gering, sind kleine Anpassungen im Großsegel notwendig, um mehr Druck zu erzeugen; das ist normalerweise ausreichend, damit sich das Schiff wieder lebhafter anfühlt. Sollten Ihnen einige unserer vorgeschlagenen Trimm-Einstellungen unklar oder nicht präzise genug erscheinen, melden Sie sich bitte gerne bei unserem Esse 850-Spezialisten, Daniel Schroff, entweder im North Sails Loft oder vor Ort bei den Meisterschaften.

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