Surprise


Einleitung

Ziel dieses Trimm-Handbuches ist es, Ihnen eine Grundlage zur Schiffsvorbereitung und zum schnellen und effektiven Trimm Ihrer neuen Segel bereitzustellen. Der Riggtrimm ist gegebenenfalls etwas anzupassen, abhängig von Ihren Steuerfähigkeiten oder wie Sie Ihr Schiff segeln und den Schiffsspezifikationen sowie dem Deckslayout.

Zögern Sie nicht, sämtliche Fragen zu notieren, die während des Lesens entstehen. Wir würden uns freuen, diese mit Ihnen weiter zu diskutieren, wenn Sie sie uns zukommen lassen. Unser Ziel ist es, angemessene Trimmempfehlungen für die von uns hergestellten Segel zu definieren, damit bei allen Windverhältnissen hohe Geschwindigkeiten erreicht werden können, sei es auf Am-Wind-, Raumschots- oder Vorwind-Kursen. Vielseitigkeit ist demnach das Schlüsselkonzept, sowohl in diesem Trimm-Handbuch als auch bei dem Design Ihrer North-Segel.

Schiffsvorbereitungen

Die glatte Oberfläche des Unterwasserschiffes ist ein wesentlicher Faktor; man sollte sich niemals ohne perfekt gesäubertes Unterwasserschiff an die Startlinie begeben. Bereits innerhalb von ein paar Tagen kann sich ein Fettfilm am Unterwasserschiff absetzen, der die Leistung verschlechtert. Da Sie nicht alleine in dieser Situation sind, werden Sie zwar kaum das Gefühl haben, langsamer als der Rest des Feldes zu sein, aber Ihre Beschleunigungsfähigkeit wird enorm beeinträchtigt sein. Konkurrenten haben schon manches Mal trotz mangelnden Trainings gewonnen, aber niemals mit einem verdreckten Unterwasserschiff.

Masttrimm

Stellen Sie sicher, dass die Salinge symmetrisch sind.
Es sind drei Faktoren zu beachten:

-Salinglänge; laut Klassenvorschrift ist eine Toleranz von 2 cm erlaubt. Somit können Sie die Länge Ihrer Salinge gemäß der gewählten Genua anpassen. Die Genua wird über die Salinge reichen. Deshalb müssen diese so weit wie möglich gekürzt werden (840 mm), damit das Achterliek der Genua bei flachem Wasser so weit wie möglich nach innen geschotet werden kann. Möchten Sie weniger Spannung auf Ihrem Mast, dann sind die Salinge mit der größtmöglichen Länge zu belassen (860 mm). Jedoch wird dann das Achterliek der Genua 2 cm weiter außen stehen.

-Der Salingswinkel; selbst wird vom Hersteller vorgegeben; es ist aber dennoch notwendig, zu überprüfen, ob er auch wirklich symmetrisch ist. Manchmal kann eine kleine Abweichung das exakte Austrimmen des Schiffes erheblich erschweren.

-Die Höhe der Salingsspitzen muss durch eine dauerhafte Fixierung an den Wanten vorgegeben sein, damit sie sich nicht während des Transports oder Segelns in rauhen Bedingungen verändern kann, was Auswirkungen auf den Masttrimm hätte. Die Salingsspitzen sollten etwas höher liegen als die Horizontale.

Voreinstellungen

-Der Mastfuss sollte so weit vorne sein, wie es die Position der Mastspur an Deck ermöglicht. Bei der üblichen Luvgierigkeit der Surprise ist das Boot damit besser ausbalanciert und sanfter zu steuern.

-Die Mastneigung (Mastfall) spielt sowohl bei der Aussteuerung des Schiffes sowie der Spannung des Genua-Achterlieks eine wichtige Rolle. Die von uns vorgeschagenen Trimmeinstellungen wurden entwickelt, um bei einem großen Bereich von unterschiedlichen.

Bedingungen eine gute Leistung zu erzielen, ohne dabei die Mastneigung ständig anpassen zu müssen. Sie können natürlich den Masttrimm noch optimieren, indem Sie bei starkem Wind die Vorstagsspannung reduzieren; dabei ist daran zu denken, die Spannung der Ober- und Unterwanten zu erhöhen. Die Mastneigung hängt eng mit der Länge des Genua-Achterlieks zusammen. Um ein beständiges Profil der Genua zu erhalten, sind der Hals und das Schothorn so dicht am Deck wie möglich zu halten. Das kann durch das Entfernen von überflüssigen Schäkeln und das Kürzen der Schotverbindungen so weit wie notwendig erreicht werden. Der beste Weg ist, ein gespleißtes Auge an Ihren Schoten anzubringen; auf diese Weise stoppt das Schothorn selbst am Schotwagen der Genua.

Wenn Sie « hart » segeln, das heißt, mit der gesamten Crew in Luv und hart getrimmten Segeln – an dem Punkt, an dem Sie bei mehr Ruderdruck die Schoten fieren müssen – sollte das Schothorn ca. 2 cm vom vorderen Ende des Schotwagens entfernt sein. Steht es höher, sollten Sie vielleicht den Mast weiter nach hinten neigen. Können Sie das Schothorn nicht so dicht holen, ist mehr Neigung nach vorne
erforderlich. Diese präzisen Trimmeinstellungen werden Sie sich erst nach mehreren Segelstunden erarbeiten. Hier sind die Basiseinstellungen, Genua-Fall und ziehen Sie es gerade auf Deckshöhe an den Beschlag der Mastspur. Ziehen Sie es danach gerade entlang des Vorstags. Sie sollten zwischen diesem Fall und dem Punkt, an dem das Vorstag an Deck angebracht ist, 92cm messen.

-Die Vorstagsspannung ist bei allen unseren Genuas ein festgelegtes Maß. Die Spannung wird mit einem Standard-Spannungsmessgerät gemessen (doppelte Schiene, hellgraues Aluminium). Die Spannung sollte 21 betragen. Sind starke Winde vorhergesagt, kann die Spannung auf 24 erhöht werden; dadurch ist der Mast auf Raumschotskursen oder bei bestimmten Manövern stabiler. Es wird Sie jedoch nicht schneller machen als mit der Standard-Spannung (21) und erhöhter Achterstagsspannung.

-Die Wanten sind gemäß der Rumpfsteifigkeit anzuziehen, um die gewünschte Vorstagsspannung zu erreichen. Je steifer das Schiff, desto weniger Vorstagsspannung ist erforderlich. Die Werte sollten laut Spannungsmessgerät zwischen 26 und 32 betragen. Stellen Sie auch sicher, dass sich Ihr Mast nicht nach einer Seite neigt, indem Sie das Vorfall in Richtung der Wanten-Püttings ziehen.

-Die Unterwanten dienen zum Regulieren der Mastbiegung und der Vorstagsspannung. Je mehr Sie diese anziehen, desto geringer ist die Mastbiegung und damit das Vorstag strammer. North-Segel sind so konzipiert, dass der Mast möglichst gerade ist. Die Wölbungstiefe sollte nur 2 cm betragen, damit der Mast die richtige Biegung nach vorne und hinten erhält. Indem Sie sich selbst an der Mastnut für das Großsegel positionieren und nach oben schauen, können Sie sicherstellen, dass der Mast keine SForm aufweist. Aufgrund der mit der Zeit auftretenden Volumenkontraktion von Aluminium ist es wichtig, den Mast regelmäßig zu überprüfen, da der Trimm nach dem Segeln bei starkem Wind häufig nicht mehr korrekt eingestellt ist.

Trimmrichtlinien

Grundsätzliche Bemerkungen zum Segeltrimm und zur Segelführung.

Großsegel-Trimm

-Großschot – Konstanter Segeltrimm ist sehr wichtig. Kleine Anpassungen können einen großen Unterschied beim Segeldruck, der Fähigkeit des Schiffes, Höhe zu laufen, als auch bei der Aussteuerung des Schiffes machen. Das Dichtholen der Großschot erhöht die Spannung auf dem Achterliek, so dass der Segeldruck erhöht wird und das Schiff mehr Höhe laufen kann. Auf der anderen Seite ist das Großsegel damit anfälliger dafür, dass die Strömung abreißt. Am verlässlichsten lässt sich das Großsegel mit Hilfe der Windfäden auf Höhe der oberen Segellatte trimmen. Ein guter durchschnittlicher Segeltrimm ist erreicht, wenn das Segel kurz vorm Strömungsabriss steht. Beim Segeln in ein Gebiet mit stärkerem Wind kann das Großsegel dichter geholt werden, so dass die Strömung bis nach oben abreißt, um noch mehr Höhe zu laufen. Sobald aber der Wind weniger wird, ist es erforderlich, die Schot zu fieren, damit das Achterliek nicht zu stramm ist – was einen erheblichen Geschwindigkeitsverlust zur Folge hätte. Sie sollten natürlich versuchen, ein Gespür für den bestmöglichen Trimm zu entwickeln, aber achten Sie dabei auf Ihre Bootsgeschwindigkeit. Ziel ist es, im Voraus zu erkennen, wenn sie davor sind, langsamer zu werden, und zu wissen, wie sie das verhindern können, indem sie Ihr Schiff die Geschwindigkeit wieder aufbauen lassen! Bei kabbeliger See ermöglicht das Öffnen des Achterlieks (durch Twist) dem Segel, sich einem größeren scheinbaren Windwinkel anzupassen: Der Fokus liegt nun mehr auf der Geschwindigkeit als auf darauf, möglichst viel Höhe zu laufen. Wenn der Segeldruck zu groß ist, ist das Achterliek erneut zu twisten, um den Druck zu verringern, bis eine bessere Aussteuerung erreicht wird. Mit der gesamten Crew in Luv und maximalem Segeldruck ist die Schot extrem dicht zu nehmen (mit beiden Händen). Die Spannung auf dem Achterliek des Großsegels hat damit mehr Auswirkung auf die Vorstagsspannung als es das Anziehen der Wanten hätte. Es ist wichtig, ein gutes Verständnis dafür zu entwickeln, wie die Steifigkeit des Riggs durch die Spannung des Achterlieks vom Groß beeinflusst wird. Nimmt der Wind noch weiter an Stärke zu, so dass der Segeldruck weiterhin zu groß ist, übernimmt das Achterstag die führende Rolle beim Halten des Mastes. Aus diesem Grund können Sie die Großschot etwas fieren.

-Der Großsegel-Traveller wird im Verhältnis zur Position des Großbaums getrimmt. Ziel ist es, den Baum auf der Mittschiffslinie zu haben, was bedeutet, dass der Traveller immer leicht in Luv positioniert ist. Das kompensiert das Abfallen des Baums aufgrund des Abstands zwischen Traveller und Baum. Bei stärkerem Wind wird empfohlen, den Traveller zurück in die Mitte zu fieren, um einen Teil des Windstroms in Richtung Achterliek freizugeben, was die Luvgierigkeit Ihrer Surprise verringert. Der Traveller sollte jedoch nie mehr als 15 cm nach Lee gefiert werden, denn das würde die Fähigkeit, Höhe zu laufen, beinträchtigen. Das Achterliek wird mit Hilfe des Baumniederholers auf Spannung gehalten.

-Der Baumniederholer fungiert als Druckventil für den unteren Teil des Großsegels. Sie sollten den Baumniederholer so anbringen, dass er leicht für ein Crewmitglied in Luv zu bedienen ist, auf beiden Seiten. Das bietet Ihnen die Möglichkeit, den Bauch im unteren Teil des Großsegels „auf Wunsch” zu reduzieren, während Sie die Spannung im Achterliek beibehalten, auch wenn die Schot gefiert wird. In einer Böe wird der Baumniederholer dichter geholt. Das macht das Profil flacher und zieht das Achterliek strammer, wodurch Sie mehr Höhe laufen können. Vergessen Sie nicht, den Baumniederholer wieder etwas zu lösen, wenn der Wind abnimmt, um wieder ein bauchigeres Profil und größeren Segeldruck zu erhalten. Bei starkem Wind ist die Spannung des Baumniederholers voraussichtlich sehr hoch. Deshalb ist es sehr wichtig, den Baumniederholer vollständig zu fieren, bevor man an der Luvtonne abfällt, um verheerende Lasten am Mast zu vermeiden. Aus diesem Grund ist ein guter Trimm der unteren Wanten entscheidend, damit der Mast nicht zu stark gebogen wird, was ein übermäßig flaches Großsegel mit einem zu lockeren Achterliek zur Folge hätte.

-Der Unterliekstrecker ermöglicht die Feineinstellung des Profils im unteren Bereich des Segels. Da das North-Großsegel eher ein flaches Profil aufweist, können Sie es gerne etwas bauchiger machen, indem Sie den Unterliekstrecker lösen. Bei leichten Winden und besonders in kabbeliger See kann die Lücke zwischen dem Unterliek des Großsegels und dem Baum bis zu 20 cm betragen. Wenn es der Wind erfordert, dass die ganze Crew in Luv sitzt, ist der Unterliekstrecker stufenweise dicht zu holen; ansonsten besteht die Gefahr, in den Böen abzurutschen. Sollten Sie feststellen, dass Sie nicht schnell genug beschleunigen können, liegt dies möglicherweise daran, dass das Unterliek zu dicht ist.

-Einstellung des Cunningham – Ziehen Sie das Vorliek nicht zu dicht, insbesondere bei leichtem Wind. Setzen Sie zuerst das Fall durch und stellen Sie sicher, dass der Kopf des Großsegels so hoch wie möglich ist und sich das Fall nicht reckt. Der Cunningham wird nur dafür verwendet, ein flacheres Segelprofil zu erhalten und das Liek bei starkem Wind zu twisten. Horizontale Falten haben keinerlei Auswirkung auf die Bootsgeschwindigkeit. Der Halsbereich muss auf der vertikalen Axe frei sein. Er wird durch einen Schlitten in der Schiene gehalten, muss aber frei nach oben laufen können.

-Das Achterstag dient im Wesentlichen dazu, den Mast nach hinten zu ziehen und damit das Vorstag zu spannen. Sie sollten anfangen, das Achterstag dicht zu holen, wenn der Wind zu stark wird, um die Großschot dicht zu lassen. Nimmt der Wind noch weiter zu, ist noch mehr Spannung auf dem Achterstag erforderlich, was noch mehr Twist im Achterliek des Großsegels zur Folge hat. Es ist bei so einer Spannung des Achterstags nicht ungewöhnlich, dass das Segel zwischen dem Schothorn und und der oberen Segellatte einen Knick aufweist. Stellen Sie in diesem Fall sicher, das Achterstag vollständig zu lösen, bevor Sie abfallen, um ein Abknicken der Mastspitze zu vermeiden. Wir empfehlen, vom Masttop bis zum Achterstag eine Latte anzubringen, um das Achterstag vom Achterliek weg zu halten, wenn es nicht im Einsatz ist.

Fock- und Genua-Trimm

-Das Fall regelt die Spannung am Vorliek des Segels. Es ist nicht ratsam, das Fall zu sehr durchzusetzen. Wie beim Großsegel sind horizontale Falten nicht schlimm; sie helfen sogar, das Profil des Segels zu sehen. Wenn Sie jedoch den Trimm optimieren möchten, zögern Sie nicht, die Vorfallspannung in den Böen zu erhöhen, um die Anströmkante zu verringern und die Liekspannung zu vergrößern; beides sind Schlüsselfaktoren, um mehr Höhe laufen zu können. Diese Trimmeinstellungen machen möglicherweise ein Taljensystem erforderlich, um nicht jedes Mal zur Falleinstellung die Winsch verwenden zu müssen.

-Der Fock-Holepunkt wird verwendet, um die Achterliekspannung des Vorsegels einzustellen. Je weiter vorne der Fock-Holepunkt steht, desto höher ist die Spannung auf dem Achterliek und desto bauchiger ist der untere Teil des Vorsegels. Umgekehrt löst ein Fock-Holepunkt weiter hinten die Achterlieksspannung und macht ein flacheres Profil im unteren Segelbereich. Mittlere Windbedingungen erfordern den härtesten Trimm. Das Achterliek wird die Salinge berühren, und der Fuß des Vorsegels wird dicht an das untere Ende der Wanten gezogen. Sobald der Wind ein wenig abnimmt, ist die Schot zu fieren, um wieder ein bauchigeres Profil zu erhalten, da sich das Material aufgrund seiner Elastizität zusammenzieht. Sobald der Wind an Stärke zunimmt, ist es dagegen erforderlich, Druck aus dem Segel zu nehmen, indem der Fock-Holepunkt weiter nach Achtern versetzt wird, was wiederum das Achterliek twistet.

Fazit

An der Kreuz ist das Ziel, bei allen Windbedingungen die größtmögliche Effizienz aus den Segeln und dem Mast zu holen. Sollten Sie gegen andere Schiffe segeln, werden Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie gut Ihre Bootsgeschwindigkeit ist …

Ansonsten wird die Leistung Ihres Schiffes mehr ein „Gefühl“ sein. Die Energie, die durch die Segel produziert wird, sollte nicht durch eine unangemessene Aussteuerung des Schiffes verschwendet werden, das bedeutet z.B. eine konstant neutrale Ruderlage mit leichter Luvgierigkeit. Mit zu viel Segeldruck im Schiff wird der Ruderausschlag schnell einen großen Winkel erreichen und es wird erforderlich sein, das Großsegel flacher zu trimmen. Ist das Schiff leegierig und der Segeldruck zu gering, sind kleine Anpassungen im Großsegel notwendig, um mehr Druck zu erzeugen; das ist normalerweise ausreichend, damit sich das Schiff wieder lebhafter anfühlt. Sollten Ihnen einige unserer vorgeschlagenen Trimm-Einstellungen noch unklar oder nicht präzise genug erscheinen, melden Sie sich bitte gerne bei unseren Surprise-Spezialisten Pierre Ratajski und Arnaud Gavairon, entweder im North Sails Loft oder bei den Meisterschaften vor Ort. Wir kommen auch direkt zu Ihrem Schiff, um Ihnen bei Bedarf beim Rigg-Trimm zu helfen.

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Julien Monnier


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