North Sails NEWS

Story Contributors: Tom Davis

Zeit für einen neuen Spinnaker?

Wie Sie den richten Zeitpunkt für eine Neuanschaffung erkennen und wie Ihr Segel länger hält.

📸 Cate Brown / BIRW    

North Sails Experte Tom Davis erklärt die Besonderheiten von Spinnaker-Tuch und verrät, wie Sie den Gesamtzustand Ihrer Segel besser einschätzen können.

Jedem neuen Segel wohnt ein besonderer Zauber inne. Das gilt ganz besonders für Spinnaker und Gennaker. Das frische Tuch knistert erwartungsfroh im Segelsack. Die Farben strahlen brillant in der Sonne und jede noch so kleine Bö wird scheinbar mühelos in Geschwindigkeit umgesetzt. Alle Sinne sind sich einig: Ein neues Segel erkennt man sofort. Nur, wie sieht es am anderen Ende des Lebenszyklus‘ aus?

Wir zeigen in diesem Beitrag, woran Sie ein erneuerungswürdiges Vorwindsegel erkennen und worauf Sie bei der Pflege Ihrer Spinnaker/Gennaker achten sollten.  Ganz grundsätzlich verschleißen Segel beim Gebrauch. Ähnlich wie bei einem Autoreifen lässt sich dieser Prozess nicht aufhalten. Mit jedem gefahrenen Kilometer, bzw. mit jeder gesegelten Seemeile nutzt sich das Segel ein kleines bisschen ab. Um die Lebensdauer zu verlängern ist es also hilfreich zu wissen, wie Verschleiß entsteht und was dieser für die Leistungsfähigkeit Ihrer Vorwindsegel bedeutet. Beginnen wir zunächst also mit ein wenig Detailwissen zum Hintergrund.

Spinnaker-Tuch unterm’ Mirkoskop: The science of things

Warum ist Spinnaker-Tuch eigentlich so viel leichter als das Tuch für Amwind-Segel? Die Frage mag trivial klingen, hat jedoch einen substantiellen Hintergrund: Die Tuchstärke eines jeden Segels hängt von der Stärke des scheinbaren Windes ab. Spinnaker und Gennaker werden vor dem Wind oder auf Raumschotskursen gesetzt. Der scheinbare Wind ist auf diesen Kursen in der Regel geringer, als der wahre Wind.

Damit ein Vorwindsegel trotzdem kraftvoll fliegen kann, muss das Tuch also möglichst leicht sein. Um das zu gewährleisten sind die meisten Spinnaker und Gennaker aus Nylon. Dieser Stoff ist sehr leicht und besteht aus feinen Garnen, die ineinandergreifen. Spinnaker-Tuch für Fahrtensegel hat dabei einen höheren Garnanteil, als Spinnaker-Tuch für Regattasegel. Bei letzterem wird durch den Zusatz des Kunstharzes Urethan die Materialdichte im Tuch sowie dessen Winddurchlässigkeit reduziert. Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich am besten an den beiden folgenden Aufnahmen verdeutlichen: Links sehen Sie Cruising-Tuch aus Nylon unter dem Elektronen-Mikroskop, das Bild rechts zeigt das Regatta-Äquivalent.

Wie Sie auf dem linken Bild sehen können, greifen die einzelnen Garne so ineinander, dass an den Übergängen zwischen Schuß- und Kettrichtung keine Lücken entstehen. Dies führ zu einer geringen Durchlässigkeit, oder wie wir sagen, Porosität.

Gerade bei Spinnakern soll das Segel jeden Luftzug einfangen und in Vortrieb umwandeln. Sie sehen im Bild links also ein robustes Tuch für ebenso robuste Vorwindsegel. Soweit alles wunderbar.

Das Bild auf der rechten Seite wiederum zeigt das andere Ende des Leistungsspektrums. Hier sehen Sie ebenfalls eine Mikroskop-Aufnahme eines hochwertigen Regatta-Tuchs. Anders als beim Fahrtensegel liegen die Garne nicht nahtlos aneinander. Das Tuch besteht also aus einem geringeren Garnanteil. Die Lücken, die Sie sehen, sind gefüllt mit Urethan.
Dies führt dazu, dass das Regattasegel bei gleicher Festigkeit bis zu 40% leichter ist als ein vergleichbares Segel aus Cruising-Tuch.

Sie werden es schon ahnen: Die Urethanbeschichtung steigert zwar die Leistungsfähigkeit des Tuchs, reduziert dabei jedoch seine Langlebigkeit. Ob beschichtetes Spinnakertuch für Sie also in Frage kommt, hängt vom Einsatzbereich Ihrer Segel ab.

Verschleiß rechtzeitig erkennen – Nur wie?

Machen wir weiter mit dem Shape der Segel. Bei Amwind-Segeln lässt sich Verschleiß gut an der Profiltiefe sowie an Nähten und neuralgischen Stellen festmachen. Bei Vorwindsegeln aus Nylon – also Spinnaker & Gennaker – ist das leider nicht so einfach. Von an Bord aus ist es für ungeübte Augen sehr schwer, eine valide Aussage zum Profil von Spinnaker und Gennaker zu treffen. Machen Sie also, wenn möglich, Bilder von Ihrem neuen Spinnaker oder Gennaker von außerhalb.

Doch auch ohne Bilder lässt sich Verschleiß erkennen. Achten Sie beim Segeln daher auf folgende vier Dinge:

Im Verlauf der Zeit werden sich erstens die sichtbaren Falten am Übergang der Schothörner vertiefen.

Zweitens geben vertikale Falten in von der Mitte des Segels in Richtung Kopfbrett Aufschluss über die Festigkeit des Tuchs. Je älter das Tuch, desto ausgeprägter werden diese Falten.

Drittens beginnen im fortgeschrittenen Alter die Luvlieken abrupt zu invertieren während die Leelieken zu flappen beginnen. Beides äußert sich insbesondere dann, wenn sich der Schotzug am Segel verändert.

Last but not least ist viertens der Verlust von Geschwindigkeit ein zielsicherer Indikator dafür, dass ein Vorwindsegel seine Lebenszeit überschritten hat. Kontrollieren Sie hierzu ihre gemessenen Werte (Boatspeed + Windwinkel) mit den Werten aus Ihrem Polardiagram. Eine sichere Datenbasis finden Sie hierzu im kostenlosen Speed-Guide des ORC. In den beim ORC hinterlegten Messbriefen finden Sie Polardiagramme für fast jeden erdenklichen Yacht-Typ. Die Daten aus dem ORC-VPP sind verlässlich und ein guter Anfang.

📸 Mauro Melandri / Zerogradinord

Alte Segel per Handauflegen erkennen

Mit der Zeit verliert das Segeltuch seine Steifigkeit. Fühlt sich das Segel weicher bzw. anders an, als es das noch zum Beginn der Saison tat, kann dies auf groben Verschleiß hindeuten. Fragen Sie im Zweifel einfach Ihren North-Sails Ansprechpartner um Rat. Die fähigen Hände unser Segelmacher erfühlen ein ausgelatschtes Segel sprichwörtlich im Handumdrehen.

Ein weiterer Indikator für Verschleiß kann das wiederholte Auftreten von kleinen Löchern und Rissen sein. Vorausgesetzt, Sie haben alle kritischen Stellen vernünftig abgeklebt. Gerade zu Saisonbeginn sollten Sie also mit einer guten Rolle Iso-Tape bewaffnete den üblichen Verdächtigen zu Leibe rücken: Splinte, scharfkantige Beschläge, Schäkel, beschädigte Relingsdurchzüge – Überall wo Draht oder andere Metallkanten sind, lauert die Gefahr auch neue Spinnaker zu beschädigen.

Reist das Segel trotz Tape-Einsatz und vorsichtigen Händen dennoch ein, deutet dies auf ermattetes Tuch hin. Sehr alte Spinnaker lassen sich sogar von Hand zerreißen.

Zu guter Letzt verraten die Farben im Spinnaker/Gennaker-Tuch etwas über den Gesamtzustand des Segels: Sind die Farben ausgeblichen und scheckig deutet dies auf fortgeschrittenen Verschleiß hin.

Der ultimative Verschleißtest gelingt jedoch ohne Farbenlehre, besonders gute Ohren oder sonstige Feinfühligkeit: Wenn Sie durch ihren Spinnaker durchpusten können hat das Segel das Ende seiner Leistungsfähigkeit schon lange überschritten und ist reif für den Ruhestand. Stichwort: Porosität.

Wie Ihr Spinnaker/Gennaker länger hält

Kommen wir zum Schluss auf fünf Tipps für längere Freude am Vorwindsegel:

#5: Überprüfen Sie regelmäßig neuralgische Stellen an Bord um Risse zu vermeiden.noted earlier, check and correct rough points on your boat where the sail can touch.
#4: Verwenden Sie Ihre Vorwindsegel nur in den dafür vorgesehenen Windstärken und auf den entsprechenden Kursen.
#3: Segel gehören in die Luft und nicht ins Wasser. Vermeiden Sie es also unbedingt, Ihr Segel beim Bergen über Bord gehen zu lassen. Der Wasserdruck beim „Schleppen“ des Segels ist Gift für die feinen Nylonfasern.
#2: Ein trockenes Segel ist ein fröhliches Segel: Stauen Sie Ihren Spinnaker/Gennaker niemals nass weg. Falls dies doch einmal vorkommt, lassen Sie das Segel nicht lange nass im Sack um das Tuch nicht zu strapazieren. Hatte das Segel Kontakt mit Salzwasser dann spülen Sie das Tuch mit Süßwasser aus, bevor Sie das Segel trocken wegpacken. Getrocknete Salzkristalle zerstören das Garn im Tuch.
#1: Kommen Sie niemals in Versuchung, Ihre Vorwindsegel in gechlortem Wasser zu reinigen. Das Chlor greift das Nylon an und zerstört das Tuch!

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📸 Mauro Melandri / Zerogradinord