North Sails NEWS

Juni 2, 2020

EIN GUTES SEGEL ERKENNEN

Was unterscheidet ein hervorragendes von einem durchschnittlichen
Segel?

Wenn der Moment gekommen ist, spüren Sie es sofort. Es ist genau der Augenblick, in dem Sie das Ruder loslassen und Ihre Yacht wie von Geisterhand einfach ihren Kurs hält. Die perfekte Balance aller Kräfte, eine perfekt getrimmte Yacht. Regattasegler betreiben einen enormen Aufwand, um genau diesen Trimm zu erreichen, denn nur so können Rennen gewonnen werden. Was auch immer Sie vorhaben, egal ob Regatten oder Touren: Es ist ein tolles Gefühl, wenn das Boot in Harmonie ausbalanciert den Kurs hält.

Regattasegler muss man nicht vom Nutzen guter Segel überzeugen. Sie wissen, dass ein gut geschnittenes, leistungsstarkes Segel die Voraussetzung dafür ist, Erfolge auf der Regattabahn zu feiern. Aber was, wenn Sie an Regatten gar kein Interesse haben? Schließlich segeln vor allem zur Erholung!

Vielleicht braucht es dafür eine umfassendere Definition von Leistung. Eine, die sich nicht bloß auf Geschwindigkeit reduziert. Sondern eine, die den Ansprüchen und Erwartungen von Fahrtenseglern eher entspricht. Machen wir uns nichts vor: Auf beim Cruisen sind gute Segel wichtig. Es sind bloß andere Faktoren, welche die Gesamtqualität eines Fahrtensegels auszeichnen: Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und natürlich auch Geschwindigkeit sind Faktoren, die zu einem besseren Segelerlebnis führen – ganz egal ob auf der Regattabahn oder im Urlaub.

Weniger Krängung, mehr Geschwindigkeit

Geschwindigkeit ist vielleicht nicht per se die oberste Priorität beim Fahrtensegeln. Ganz anders verhält es sich da mit dem Krängungswinkel. Krängung und Komfort liegen ganz dicht beieinander. In den vergangenen 50 Jahren ist diesbezüglich eine ganze Menge passiert. Dies hat vor allem mit neuen Segeltüchern zu tun, die in der Produktion von Segeln zum Einsatz kommen. Neue Materialien verdrängen die alten – oder kennen Sie noch jemanden, der Leinensegel fährt? Eben.

Während Yachten aus dieser vergangenen Zeit durch liebevolle Hände in die Moderne transferiert wurden, gibt es eigentlich kaum Segel aus dieser Zeit. An die Stelle traditioneller Tuche sind Kunststofffasern getreten. Polyester, den meisten von uns als Dacron bekannt, läutete eine neue Ära in der Herstellung von Segeln ein. Segel aus Dacron waren formbeständiger, verzogen sich nicht unter Last und schrumpften nicht unter Einfluss von Nässe. Alles in allem halten Dacron-Segel einfach länger.

Während Dacron bis heute das wahrscheinlich populärste Segeltuch ist, hat sich am oberen Ende des Leistungsspektrums einiges getan. Entwicklungen aus dem Regattasport führten zu neuartigen Membransegeln aus Verbundstoffen. Genau wie einst Dacron versprechen diese Segel größere Leistungsfähigkeit gegenüber herkömmlichen Materialien. Moderne Membransegel spielen in einer anderen Liga.

Regattasport führten zu neuartigen Membransegeln aus Verbundstoffen. Genau wie einst Dacron versprechen diese Segel größere Leistungsfähigkeit gegenüber herkömmlichen Materialien. Moderne Membransegel spielen in einer anderen Liga. Wenn man ein Dacronsegel gegen ein Membransegel eintauscht, fällt eine Sache sofort auf: Das Boot schiebt weniger Lage. Setzt eine Bö ein, hält das Segel seine Form und verwandelt den Windstoß in Geschwindkeit. Die Kraft wird nicht in seitliche Lage, sondern in Vortrieb umgesetzt. Die Windenergie wird effizienter genutzt und
mündet in höherer Fahrt durchs Wasser. Unabhängig davon, ob Ihnen Boatspeed nun besonders wichtig ist, stellt sich durch die geringere Krängung ein Gefühl der Sicherheit und des Komforts an Bord ein.

📸 Amory Ross

Längere Lebensdauer

Nach Tausenden von Seemeilen erreicht ein Dacron-Segel in der Regel das Ende seiner Lebenszeit. Die unzähligen Erlebnisse unterwegs hinterlassen ihre Spuren im Segel: Der Bauch wandert nach hinten, das Segel wird tiefere. In der Folge nimmt die Leistungsfähigkeit des Segels dramatisch ab. Ein vergleichbares Membransegel wird in derselben Zeit nur ca. ein Viertel des Verschleiß aufweisen. Werfen wir diesbezüglich einen Blick auf die Welt des professionellen Regattasports. Grand Prix Regattasegler können es sich nicht leisten, mit minderwertigem Material zu segeln. So kam es, dass bei Regatten um den Globus Membransegel im Zuge einer Weltumsegeln mehrmals gegen neue getauscht werden mussten. Heutzutage ist der Verschleiß in modernen Membransegeln so gering, dass moderne Regattasegel Um-die-Welt-Regatten vom Start bis zum Ziel überstehen und leistungsfähig bleiben.

Die Belastung durch UV-Strahlen bleibt dabei eine Herausforderung für Membransegel. Wenn man sich jedoch die beeindruckende Lebensdauer dieser Segel vor Augen führt, sinkt der Euro-Pro-Saison-Faktor ganz erheblich. Und das preist den Zugewinn an Performance noch gar nicht mit ein. Wie bereits angedeutet definieren wir bei North Sails Performance nicht bloß über Geschwindigkeit. Hier kommen vier Faktoren, die für Fahrtensegler einen (Performance) Unterschied machen.

Vier Faktoren, die zählen:

Für den Fahrtensegler gibt es vier Aspekte, die den Unterschied zwischen einem hervorragenden und einem durchschnittlichen Fahrtensegel ausmachen:

1. Fit (2D Passform)

Am Anfang jedes neuen Segels steht eine simple Aufgabe: Das Segel muss die Fläche zwischen Mast, Großbaum, Vorstag etc. bestmöglich ausfüllen. Im Fahrtenbereich ist es dabei nicht ungewöhnlich, schlecht passende Segel vorzufinden. Die Segel sind dann entweder zu kurz im Vorliek oder füllen das Vorsegeldreieck nicht aus und so weiter und so fort. Bei North Sails verwenden wir daher bei jedem Segel ein dreidimensionales Model, um die richtige Passform zentimetergenau zu bestimmen. Dieser Prozess beginnt mit dem genauen Ausmessen der Geometrie an Bord Ihrer Yacht. Je genauer diese Maße ermittelt werden, desto besser steht das spätere Segel. Die Passform ist bei North Sails daher keine bloße Abmessung zwischen den verfügbaren Fixpunkten, sondern ein ausgereifter Prozess, der die Geometrie Ihrer Yacht bestmöglich und ganzheitlich erfasst.

 

2. Profil (3D Form)
Den größten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Segels haben seine aerodynamischen (Flug)Eigenschaften. Die dafür notwendige Form entsteht entweder durch das Zusammennähen unterschiedlicher Tuchbahnen oder durch das nahtlose Backen über einer dreidimensionalen Form.

Großsegel-Twist ist eine interessante Herausforderung in der Entwicklung neuer Segel. Der Designer muss hierfür die Interaktion zwischen den verfügbaren Materialien und der Form des Segels bestmöglich aufeinander abstimmen. Für die meisten Großsegel gilt: Wenn die Schot gefiert wird, sackt das Achterliek in der Mitte vom Großsegel nach Lee, während der Kopfbereich unverändert bleibt. Ist das Material zu schwach um die Kräfte richtig zu leiten, wird das Segel bei zunehmender Windstärke tiefer und der Bauch wandert nach hinten. Dies bedeutet, dass der Druck im Segel zunimmt, die Schot muss gefiert werden.

 

Das Fieren der Großschot führt dazu, dass der Spalt zwischen Vorsegel und Großsegel enger wird, was dazu führt, dass auch das Vorsegel gefiert werden muss. Diese Abfolge von Interaktionen im Trimm erklärt, warum es so vielen Fahrtenyachten schwerfällt, eine vernünftige Höhe am Wind zu erzielen. In der Realität sieht das dann so aus, dass das Groß schlägt, die Fock zu dicht ist und die Yacht mit zu viel Lage segelt. In letzter Konsequenz werden dann die Segel eingeholt und der Motor gestartet.

Ein gut geschnittenes Segel zielt deswegen darauf ab, den Twist im Großsegel so zu gestalten, dass das Segel kontrolliert Druck aus dem Gesamtsystem ableitet, wenn die Schot gefiert wird. Hierzu ist es notwendig, dass die oberste Latte einen größeren Winkel nach Lee hat als die nächst folgende und so weiter. Ähnlich des Flügelschlags eines Vogels verwindet das Segel nach Lee, wenn der Druck steigt. Diese Form der Profilkontrolle durch Twist spielt eine erhebliche Rolle bei der Unterscheidung zwischen guten und schlechten Großsegeln.

Steht das Design, ist der Segelmacher gefragt. Seine Aufgabe ist es, die theoretisch ermittelte Form in die Praxis zu überführen. Dies erfordert den gekonnten Umgang mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren. Die Herstellung von Segeln ist dabei längst dem bloßen Zusammennähen von Tuchbahnen entwachsen. Die Anwendung fortschrittlicher Herstellungsverfahren auf modularen Formen ermöglicht es North Sails, genau die Materialien dort im Segel zu platzieren, wo sie notwendig sind.

3. Material

Die Auswahl der passenden Materialien ermöglicht es dem Segelmacher, das Segel genau so zu produzieren, wie es entworfen wurde. Dabei kommen immer öfter moderne Composite-Materialien zum Einsatz. Diese glänzen durch eine unschlagbare Gewicht-zu-Steifheit Ratio. Ein steiferes Segel steigert den Wirkungsgrad des Segels ganz erheblich. Dies führt zu mehr Geschwindigkeit und weniger Lage.

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Segel wird ein Composite-Segel in Böen nicht tiefer. Dies reduziert die Krängung und damit das sog. Pitching. Im Ergebnis segeln Sie schneller, komfortabler und entspannter.

📸 Amory Ross

4. Finish

Einer der wichtigsten Aspekte für gute Segel wird oft übersehen: Das Finish. Ein gutes Finish ist nicht nur Zeichen handwerklicher Exzellenz, sondern elementarer Bestandteil eines hochwertigen Segels. Ein steifes Composite-Segel kann mit einer reihe von Trimmeinrichtungen exakt auf die jeweiligen Windbedingungen angepasst werden. Dabei entsteht – natürlich – Druck im Segel. Ist das Segel nun schlecht gefinisht, entstehen Vibrationen oder ähnliche unerwünschte Bewegungen im Segel. Deshalb gilt als Faustregel: Nur ein leises Segel ist ein wirklich gutes Segel.

Trifft all das Ihren Geschmack?

Wenn Sie also das nächste Mal darüber nachdenken, ein neues Segel zu bestellen, dann wissen Sie jetzt nicht nur, worauf Sie achten sollten: Kommen Sie direkt zu North Sails und erleben Sie die Möglichkeiten unserer Segel für Fahrtensegler. Ein Fahrtensegel von North Sails wird Ihr zuverlässiger Begleiter über Jahre hinweg.

cruising sail trim tips
📸 Onne van der Wal