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WAS TREIBT SIE AM, HARTMUT HERRMAN? TEIL 1

Über die Erfüllung eines seglerischen Traumes

📸 Hartmut Herrmann

Ein altes Sprichwort lautet: Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wie recht der Dichter Matthias Claudius (1740 – 1815) doch hatte, dem dieses geflügelte Wort nachgesagt wird. Das gilt umso mehr, wenn die besagte Reise auf dem Seeweg und um die ganze Welt geht.

So wie Hartmut Herrmann und Crew an Bord der Oyster 575 NIKAIA. Im Rahmen der Oyster World Rally 2022/2023 segelt die NIKAIA-Crew einmal um den Globus. Die Flotte hat kürzlich den Atlantik überquert und nach 2 Monaten in der Karibik via Panamakanal den Pazifik erreicht und liegt derzeit vor Galapagos. Grund genug für uns, einmal nachzufragen, was Skipper und Eigner Hartmut Herrmann zu dieser Weltumseglung motiviert hat, wie die Reise bisher so verlaufen ist und natürlich auch, wie unsere Segel sich so machen.

Wer also vom Blauwassersegeln träumt und selbst mit dem Gedanken einer langen Reise spielt, der wird sich über die Ausführungen von Herrn Herrmann bestimmt freuen. In diesem Sinne: Kommen Sie mit an Bord der NIKAIA und erleben Sie das Abenteuer Weltumseglung hautnah. 

📸 Hartmut Herrmann

Teil 1 unseres Interviews mit Hartmut Herrmann

North Sails: Was hat Sie zu dieser Reise rund um die Welt bewogen?

Hartmut Herrmann: Vieles; am meisten die Erkenntnis über die Endlichkeit unseres eigenen Lebens angesichts der Verluste engster Vertrauter; die Einzigartigkeit unserer Erde im Universum hautnah selber zu „erfahren“; das Vertrauen in die Eigenverantwortung unserer Kinder und Mitarbeiter, eine gewisse Zeit, ohne uns die Angelegenheiten in Deutschland zu regeln und letztlich die Neugier auf das, wovon so viele Weltumsegler berichten.

North Sails: Wann hatten Sie diese Idee der Weltumseglung das erste Mal?

Hartmut Herrmann: Ich glaube, das ist über 45 Jahre her; damals bekam ich mit 14 Jahren ein Buch über Sir Francis Chichester und seine Weltumseglung in seiner Ketch Gipsy Moth IV mit Luftaufnahmen im Sturm vor Kap Hoorn. 

Etwas später verfolgte ich den live Reisebericht von Rollo Gebhard mit seiner kleinen Segelyacht Solveig, auf der er zwei Mal um die Erde segelte und über Galapagos berichtet, wo wir gerade sind. Dann war da mein großes Interesse an der Astronavigation, die ich mir bereits damals bei langweiligen Schulstunden unter dem Tisch versteckt reinzog; (Blewitt: Celestrial Navigation) und ein Leben langes Segeln auf dem Meer, was mit Vaters Wiking Schlauchboot mit Segelset begann und in kurzen Abständen zu immer größeren Jollen, Kiesschwertern und Kielyachten führte. Meine Zeit bei der Marine als Navigator trug nochmals dazu bei, den ganzen großen Schlag machen zu wollen; danach Ausbildungsfahrten für Segelschulen im Offshorebereich; eigene Törns in europäischen Gewässern; also den ersten Gedanken an eine Weltumsegelung hatte ich bestimmt sehr früh.

Die konkrete Idee, dieses mit der Oyster World Rally zu machen, flog mit einem Werbeträger Ende 2018 ins Haus, in dem ein Foto gezeigt wurde, auf dem eine Gruppe von Blauwasseryachten vor paradiesischen Inseln ankerten. Das hat auch meine Frau richtig begeistert, insbesondere der soziale Aspekt der Gruppe von gleichgesinnten Seglern, wo auch tatsächlich 50% Frauen dabei sind. Diese Gelegenheit der unerwarteten Reaktion meiner Frau auf ein solch anmutiges Foto konnte ich natürlich nicht ungenutzt lassen.

 North Sails: Wie lange dauerte die Planung und was waren die größten Hürden?

Hartmut Herrmann: Angefangen dieses Unternehmen „Weltumsegelung“ zu starten, haben wir auf der Bootsmesse in Düsseldorf Januar 2019, also vor gut 3 Jahren. Ich glaube, wir waren die Ersten, die für diese laufende Oyster World Rally auf dem Messestand gezeichnet haben. Das größte Problem war: das richtige Schiff zu finden. In unserem Fall war es eine Voraussetzung, dies auf einer Oyster zu machen; dafür meine geliebte Swan herzugeben war nicht einfach. Auch eine wirklich gute gebrauchte Oyster zu finden, hat ein halbes Jahr gedauert. Reisen dazu quer durch Europa sind wohl unerlässlich; aber am Ende erfolgreich. Ein neues Boot, zumal ein neues Modell gerade bei Oyster entstand, kam aus Erfahrung nicht in Frage. In den noch zur Verfügung gestandenen 2 Jahren sind wir in Nordeuropa unsere Hausstrecken gesegelt, um bei bekannten Bedingungen die Unterschiede des neuen Bootes zum alten zu erkennen. In den beiden Wintersaisons wurde so einiges ergänzt und erneuert.

North Sails: Hatten Sie professionelle Unterstützung, etwa bei der Auswahl der Segel?

Hartmut Herrmann: Die Segel gehören zur Hauptausstattung einer jeden Segelyacht. Mit North-Segeln war ich bereits mit den zwei vorherigen Booten unterwegs, hatte auch andere Membran Segel gefahren. Aber mit den neuen 3Di Segeln war ich seit vier Jahren überaus begeistert. Die standen wie Tragflächen im Wind; keine Falte, einfach genial. Wir haben viel mit North über die richtigen Segel für eine Weltumseglung diskutiert, am Ende sind wir wieder bei 3Di gelandet. Auch über die Downwind-Segel haben wir Monate diskutiert. Das Problem ist, dass bei einer hohen Dünung und zu schwachem Wind die Standardbesegelung fürchterlich hin- und her schlägt; da braucht es leichtere, aber auch belastbare Raumwind-Segel. Neben einem Spinnaker haben wir noch einen Stormlite 55 von North mit einem Furler, speziell für diese Reise geordert, den die Crew sehr gern einsetzt. Und wenn die Bedingungen wirklich gut sind, setzen wir noch mehr Tuch und fahren den größeren Teilnehmern davon. 

📸 Hartmut Herrmann

Erfahren Sie im zweiten Teil unseres Interviews, wie sich das Segeln in niedrigen Breiten von anderen Gebieten unterscheidet, was die Highlights und Rückschläge der bisherigen Reise waren, und welche Segel sich als besonders nützlich erwiesen haben. Fortsetzung folgt!

Zu den Segeln: Die Oyster 575 NIKAIA ist eine vollwertige Blauwasseryacht, die dieser Zuschreibung alle Ehren macht. An Bord befinden sich hydraulische Rollanlagen für die Vorsegel, das Großsegel wird im Mast aufgerollt. Für die Langfahrt wurde NIKAIA mit einem neuen Satz North-Segel ausgerüstet. Anbei die Details des Inventars:

  • Code-Segel Code 55 MaxiKote Stormlite 210 (3.38 oz)
  • Furling Gear: FX+ 4500 mit Ratsche
  • Rollfockpersennig (2x)
  • Großsegel für Rollmast mit Latten: 3Di Endurance 760, 22,400 Dpi
  • Rollgenua: 3Di Endurance 760, 19,600 dpi
  • Rollfock mit Latten: 3Di Endurance 760, 23,800 Dpi
📸 Hartmut Herrmann
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