North Sails NEWS

WAS TREIBT SIE AN, HARTMUT HERRMANN? TEIL 2

Über die Erfüllung Eines Seglerischen Traumes

North Sails-Kunde Hartmut Herrmann und seine Crew der Oyster 575 NIKAIA machen grade genau das, wovon viele Segler träumen: Eine Weltumseglung auf eigenem Kiel. Anfang März konnten wir Herrn Hartmann einige Fragen stellen. Vom Pazifik aus berichtete der Skipper und Eigner der NIKAIA eindrucksvoll von der bisherigen Reise. Lesen Sie hier den zweiten Teil des Gesprächs: 

North Sails: Wie erleben Sie das Segeln im Pazifik und wo genau befinden Sie sich derzeit?

Hartmut Herrmann: Die ca. 950 sm lange Fahrt von Panama zu den Galapago-Inseln verlief wie angesagt: zunächst traumhaftes Segeln in einem leicht schwingendem Meer und zunehmender Wassertemperatur, die ich mit maximal 33.7 °C gemessen habe. 

Endlich war ein Ozean da, wie ihn sich meine Frau vorgestellt hatte; die gewaltigen Seen des Nordatlantiks sind einer weichen Dünung aus SE gewichen; alles ist XXL, die unendliche Weite, in der wir kein einziges Schiff sehen konnten, die stetigen Winde, der blau-weiße Himmel mit den hohen Wolkenschiffen. Die Atmosphäre ist in diesen niedrigen Breiten gigantisch. Die Sonnenauf- und Untergänge sind so stark rot gefärbt, als dass man dies für unrealistisch hält. Denn der hohe Gehalt an Wasserdampf lässt ungewohnte Lichtspiele zu, die zudem noch durch die vergangenen Vulkanaktivitäten noch verstärkt werden.

Auch die Fauna nimmt nicht nur an Vielfalt zu, sondern auch an Unerschrockenheit. So sitzen die Seevögel zu Dutzend auf dem Bugkorb, Anker und Relingsdrähten und streiten sich um die besten Plätze für die Nächte. Selbst das Einrollen der Genua direkt über ihren Federn vertreibt sie nicht; auch das Schrubben des Decks direkt neben ihnen lässt sie nicht fortfliegen. 

Diese Art der Mitsegelei fand auf allen Yachten statt. Wahrscheinlich kennen die Vögel bereits die Reiseroute der Segler.  Meeresschildkröten, Wale, Delphine und auch Stachelrochen werfen sich durch die Luft, der Ocean ist voller Leben.

Beim Einlaufen um Mitternacht in San Christobal wurden wir mit dem Rufen, Schnaufen und Grunzen der Seelöwen um uns herum begrüßt. Und es dauert auch nicht lange, bis ich durch den Lärm eines dieser Kollegen geweckt wurde, als es sich auf dem Achterdeck über unseren Köpfen gemütlich machte; trotz abweisender Fender am Heckspiegel.

Wir liegen zurzeit vor Santa Cruz (Galapagos) und werden in Kürze zur Isla Isabella segeln und nach kurzem Aufenthalt dort für die Reise nach Polynesien ausklarieren. Dann beginnt der längste Reiseabschnitt mit über 3000 sm zu den Marquesas.

North Sails: Was war das bisherige Highlight der Reise?

Hartmut Herrmann:  Jeder Tag ist eine Überraschung, insbesondere in den südlichen Ländern, in denen die Abläufe anders funktionieren, als wir es gewohnt sind. Spontanität und Flexibilität ist da angesagt und daraus erwachsen unerwartet schöne Highlights. Sei es, wo aus einer kleinen Verabredung auf einer Palmeninsel innerhalb kurzer Zeit eine richtige Strandparty entsteht. Die “San Blas Inseln“ vor der nördlichen atlantischen Küste Panamas sind ein solches Highlight; Palmen Inseln wie in der Südsee, einsame Sandstrände, bewohnt von einem indigenen Volksstamm, den Kuna People, die die Segler mit ihren Einbaumbooten besuchen, versorgen und auch mit ihnen Handel treiben; das ist ein solches Highlight. 

Vielleicht ist auch die alte Pirateninsel Antigua mit dem English Harbour ein solches Highlight oder doch die niederländische Insel Bonaire? Oder gestern die Riesenschildkröten hier auf Santa Cruz? Die Anzahl der „Highlights“ ist nicht mehr zu zählen; dazu sind wir zu schnell unterwegs. Erst aus der Rückschau erinnern wir uns an so viele aufregende Momente; wie die ersten Delphinspiele am Bug am Ausgang des Engl. Kanals; das Überholmanöver von großen Walen, die in der gewaltigen Dünung des Atlantiks einfach so an uns vorbeizogen, obgleich wir mit 10 -12 Knoten nach Westen liefen. Unser Erlebniskonto wird mächtig aufgefüllt und wird bestimmt für viele Jahre daheim reichen.  Der Veranstalter hat es in seinem Videotrailer richtig beschrieben: diese World Rally ist ein „Once in a Life event“ und führt die Flotte zu den schönsten Ecken der Welt.

North Sails: Was war das bisherige Lowlight der Reise?

Hartmut Herrmann:  Was soll ich sagen; ist es ein Lowlight, wenn unerwartete Reparaturen anstanden? Darauf sind wir einigermaßen vorbereitet, also nicht erwähnenswert, solange wir die Fahrt immer noch fortsetzen können. Das ist nicht bei allen Booten so und manche mussten für ein paar Tage aus dem Wasser. Oder ist es, wenn ein liebes Crewmitglied nach Hause fliegt? Doch das ist geplant und man kann sich darauf vorbereiten. 

Was mich allerdings richtig ärgert und runterzieht, ist der erforderlich behördliche Formalismus, den man an Bord via PC, Drucker etc. abarbeiten muss. Trotz der Organisationshilfe von Oyster, tippt oder schreibt man ungezählte Male immer wieder die Pass-, Boots,-sowie Reisedaten in unterschiedliche Formulare etc..Vermehrt wird diese Büroarbeit durch Corona. Jedes Eiland und jeder Staat haben andere Vorschriften. Hier kein PCR-Test, dort ja und manchmal vor dem Auslaufen oder „on Arrival“, oder, oder , oder… Wir kennen alle Varianten und hoffen, dass das einmal aufhört.

Für den Panamakanal sind u. a. Fragen nach Containeranzahl oder Ölkapazitäten und nach dem Sicherheitsoffizier sinnlos zu beantworten gewesen. Was soll man da noch sagen? Man bekommt für Geld Bescheinigungen, für die es keinen Bezug gibt. Das nimmt man irgendwann einfach so hin, da man an solchen Einrichtungen nicht vorbei und auch nichts ändern kann. Man lernt Gelassenheit und stete Freundlichkeit; dann klappt das schon.

North Sails: Welches Segel macht Ihnen am meisten Spaß? 

Hartmut Herrmann:  Einfache Antwort: das Segel, welches im Moment am besten steht. Wir haben 3 angeschlagene North 3Di Amwindsegel. Bei einer kräftigen Backstagsbrise fahren wir das Großsegel mit Preventer nach Lee, die Genua ausgebaumt nach Luv und dazwischen das Stagsegel nach Lee. Damit können wir alle Windbereiche abdecken und alle Segel hydraulisch verkleinern; das geht leicht, das Boot liegt ausgewogen auf dem Ruder und wir rauschen mit 9-12 Knoten durchs Wasser.

Natürlich machen die spektakulären Ballonsegel und der Code 55 auch sehr viel Freude und sind eben ein Augenschmaus und ein Highlight für alle, aber erfordern ein ständiges Aufpassen und das richtige Verhältnis Windstärke zur See; einen Squall in den frühen Morgenstunden unter Vollzeug abzuwettern war nicht mehr lustig, obgleich es nur eine sehr kleine Wolke war, die sich aber unerwartet über uns entwickelte. Auch den Stormlite nachts bei 25 kn Halbwind einzufurlen war sportlich. An dieser Stelle ist auch mal ein großes Lob an meine Vorschiffscrew angebracht, die ich für eine der besten in der Flotte halte. Da haben die gemeinsamen Jahre auf den windigen Regatten in den nordischen Gewässern viel Erfahrung gebracht.

North Sails: Welchen Tipp geben Sie all denjenigen, die selbst über eine Weltumsegelung nachdenken? 

Hartmut Herrmann:  Mein Rat: Wenn ihr die Gelegenheit spürt, so etwas machen zu können, wenn es eure Gesundheit erlaubt und auch die finanziellen Ressourcen vorhanden sind, dann fahrt los. Den Rest werdet ihr schon finden und schaffen. Dies sind grundsätzliche Entscheidungen in der oberen Schublade. Darunter kommen die vielen Ratschläge, die ganze Bücherwände füllen und soweit auseinandergehen, wie die Vielfalt von Booten und Menschen. Wir sind mit unserer Entscheidung, sich der Organisation von Oyster anzuschließen, sehr glücklich; der Zusammenhalt unter den Booten ist unglaublich; Ersatzteile und Werkzeuge werden täglich über ein soziales Netzwerk ausgetauscht; sowie Tipps und Verabredungen; das macht wirklich Freude und dies geht über die gewohnten Erfahrungen hinaus. Allen, die jetzt diese Entscheidung treffen, wünsche ich eine gute Reise, eine glückliche Heimkehr and always Fair Winds.

Zu den Segeln: Die Oyster 575 NIKAIA ist eine vollwertige Blauwasseryacht, die dieser Zuschreibung alle Ehren macht. An Bord befinden sich hydraulische Rollanlagen für die Vorsegel, das Großsegel wird im Mast aufgerollt. Für die Langfahrt wurde NIKAIA mit einem neuen Satz North-Segel ausgerüstet. Anbei die Details des Inventars:

 

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